Konzeptentwicklung BOZ Landkreis Kassel

Der Landkreis Kassel plant ein Berufsorientierungszentrum (BOZ), um junge Menschen für Ausbildungsberufe zu begeistern und damit dem akuten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das BOZ soll tiefergehende Einblicke in unterschiedliche Berufe in Theorie und Praxis vermittelt. Neben Beratungsangeboten für junge Menschen erhalten Unternehmen die Möglichkeit, sich zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und Auszubildende zu akquirieren.

Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur werden auf dem regionalen Arbeitsmarkt bis 2024 über 17.000 Stellen unbesetzt bleiben. „Wir müssen deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um junge Menschen für Ausbildungsberufe zu begeistern und damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, betont Landrat Andreas Siebert. „Am besten wirkt, wenn junge Betriebsmitarbeiter ganz praktisch zeigen, was in dem jeweiligen Beruf gemacht wird“, so der Landrat, der darin auch eine gute Chance auch für die vielen kleinen Betriebe in der Region sieht, die sonst kaum Möglichkeiten haben, für sich zu werben. Auch Qualifizierungsangebote – zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Unternehmen – könnten angeboten werden.

„Wir werden das BOZ natürlich an den Bedarfen in unserer Region ausrichten“, versichert Siebert. Hierzu wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und verschiedene Akteure mit ins Boot geholt. Darunter die Wirtschaftsförderung Region Kassel (WFG), die Handwerkskammer Kassel, die Kreishandwerkerschaft Kassel, die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK), die Agentur für Arbeit, das Jobcenter des Landkreises Kassel, der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen und die Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Dieser breit aufgestellten Kooperation brennt dieses Thema unter den Nägeln. Wir stimmen uns regelmäßig über den Fortgang der Studie ab und wollen - einen positiven Entschluss des Kreistags vorausgesetzt - im Herbst 2022 zügig mit der Umsetzung dieses innovativen Projektes beginnen“, betont Siebert.

Konzeptionell orientiert sich der Landkreis an einer ähnlichen Einrichtung im westfälischen Delbrück, dem BANG StarterCenter. „Wir haben uns das Zentrum mit unseren Kooperationspartnern angeschaut und prüfen jetzt in einer Machbarkeitsstudie, was davon im Landkreis Kassel sinnvoll umsetzbar ist“, erklärt Siebert. Klar ist, das BOZ soll unter einem Dach Werkstätten und Berufserlebniswelten für verschiedene Berufsfelder bieten, in denen junge Menschen unter anderem handwerkliche, gewerblich-technische und soziale Berufe kennenlernen können. 

Alle Landkreisschulen haben das Konzept bereits kennengelernt und freuen sich auf das Angebot der branchenübergreifenden Berufsorientierung unter einem Dach für Schüler und Schülerinnen aller Schulformen ab Jahrgang 7. Derzeit erarbeiten sie eine Einbindung in ihre bereits bestehenden Berufsorientierungsprojekte. „Die letzten beiden Jahre haben noch einmal deutlich die Notwendigkeit frühzeitiger und vor allem praxisorientierter Berufsorientierung gezeigt. Das wollen wir für den Landkreis Kassel ermöglichen“, so Landrat Andreas Siebert.

Auch die Wirtschaft signalisiert großes Interesse an einem Engagement im geplanten BOZ. Erste Unternehmen haben bereits schriftlich ihr Interesse bekundet und freuen sich, an einem zentralen Ort junge Menschen in Kleingruppen persönlich kennenzulernen und ihnen typische Tätigkeiten ihrer Berufsfelder vorzustellen. Durch diesen direkten Kontakt sollen ihnen Berührungsängste genommen und Bewerbungen erleichtert werden, um potenzielle Nachwuchskräfte auf dem Weg in den Beruf aus der Region für die Region als spätere Fachkräfte zu gewinnen. Mit weiteren Unternehmen laufen derzeit Gespräche.

Inzwischen ist auch die Standortfrage geklärt. Nach intensiver Suche und umfangreichen Befragungen der Bürgermeister im Landkreis, wurde als Favorit das Büro- und Ausstellungsgebäude der ehemaligen Glasfabrik in Immenhausen ausgewählt. Für den Standort spricht insbesondere seine zentrale Lage im Landkreis sowie die gute Anbindung an das RegioTram-Netz. Das beispielhafte Raumkonzept für die etwa 1.000 Quadratmeter große Fläche sieht vor, über zehn Berufsfelder unter einem Dach zu präsentieren, in denen mehr als 100 Berufe für junge Menschen praktisch erlebbar werden. Vorgesehen sind unter anderem Fahrzeugtechnik, handwerkliche und gewerblich-technische Berufe, Hotel & Gastronomie, Logistik, kaufmännische Berufe, IT und viele weitere. Einen besonderen Raum soll auch das Berufsfeld rund um Pflege & Erziehung, Medizintechnik, Ernährung, Hauswirtschaft einnehmen.

Weitere Interessierte können sich gerne ebenfalls mit einbringen“, berichtet Projektentwicklerin Beate Göke, die für Fragen rund um dieses innovative Projekt unter 0171 710 3572 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gerne zur Verfügung steht.

Hintergrund:

Die BOZ-Machbarkeitsstudie ist nach einer Ausschreibung an den Betreiber des BANG StarterCenters in Delbrück vergeben worden, der seine Arbeit im Oktober 2021 aufgenommen hat. Die laufende Untersuchung ist in drei Phasen gegliedert. Am Ende soll die Kosten-Nutzen-Analyse aufzeigen, ob, wo und in welcher Ausgestaltung ein BOZ im Landkreis Kassel sinnvoll ist. Ziel ist es, einen Branchenzuschnitt zu entwickeln, einen Zeit- und Finanzplan zu erstellen, den Standort zu bestimmen, ein Personalkonzept vorzulegen, die Trägerschaft festzulegen und ein tragfähiges Finanzkonzept zu ermitteln. Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, könnten die Pläne bereits 2023 umgesetzt werden.

Fact Sheet


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